Sagenhaftes aus Brandenburg


Sagen & Legenden

Bernau


Am Steintor Bernau
Am Steintor Bernau

Die Gründung der Stadt Bernau

Nahe dem heutigen Zentrum von Bernau stand in alter Zeit ein einsamer Waldkrug. Die in der Umgebung wohnenden slawischen Stämme hatten diesen Ort für den Austausch von Produkten und Nachrichten erwählt. Der Wirt dieses Waldkruges braute aus dem Wasser des naheliegenden kleinen Flüsschens Panke ein wohlschmeckendes Bier. 

 

Etwa um das Jahr 1140 verirrte sich der Markgraf Albrecht "der Bär", ein deutscher Ritter aus dem Harz, auf einer anstrengenden Bärenjagd mit seinem Gefolge in den Urwäldern an der Panke. Endlich fanden Albrecht und seine Mannen am Abend den einsamen Waldkrug. Freundlich wurden die deutschen Ritter empfangen und nach anfänglichen Sprachschwierigkeiten von dem slawischen Wirt mit Speisen und Trank versorgt. Dem Markgraf aus dem Hause der Askanier, welche dieses Gebiet erobern wollten, schmeckte vor allem das ausgeschenkte Bier. Im Laufe des Abends wurde beschlossen, an dieser Stätte eine Stadt, das spätere Bernau, zu gründen. Nach dem Willen des deutschen Eroberers mussten die Bewohner der kleinen Ansiedlungen Lindow, Sclimetzdorf und Lupenitz in die neue Siedlung an der Panke ziehen. Ihre alten Siedlungen wurden öd. Geblieben sind die Namen der Gemarkungen. Die Reste der Kirchen und der Friedhöfe dieser Dörfer waren noch lange sichtbar. 

 

Wenn man also will, verdankt Bernau seine Existenz dem Biere. Über das Bier, welches die Bernauer in über 60 Gemeinden und Städte bis nach Hamburg und Stettin brachten, gäbe es viel zu berichten. Das Brauereigewerbe wurde in der Stadt neben der Tuchmacherei das wichtigste Gewerbe. So ist es eine Tatsache, daß die Keller in den Häusern der reichen und mächtigen Tuchmacher in allen Fällen zum Brauen eingerichtet waren. Solche Keller findet man heute noch in der Brauergasse und in der Bürgermeistergasse. Es wurde nur an bestimmten Tagen gebraut. Der Stadtdiener musste am Abend vorher in den Straßen bekanntgeben : "Es wird hiermit bekanntgemacht, dass keiner mehr in die Panke macht! Morgen wird gebraut!" 

 

Ein Dichter rühmte das Bier unter anderem so:

Die Stadt braucht keinen Medikus, das Bier labt alle Seelen. 

 

 

 

-Aus den gesammelten Werken von Dr. Conrad Gründler (1980) und Rudolf Schmidt (1929)- 

 

 

Anmerkung zum Bild:

In dieser Ecke am Steintor wird die Bernauer Bierkultur offensichtlich besonders gepflegt: das ist an der Masse der Kronkorken und Flaschen und am aufdringlichen Geruch  zu erkennen. Mein Sohn hat fluchtartig den Ort verlassen.